Geschäftsflächenbericht 2019

  • Wien bleibt absoluter Top-Standort für Expansion internationaler Ketten 
  • Spitzenlagen stabil trotz Umsatzverschiebungen zugunsten des Onlinehandels  
  • Nur Innovationen und attraktiver Mietermix halten Standorte wettbewerbsfähig 

 

Wien, 11.03.2019 – Boomende Konjunktur und wachsende Bevölkerungszahl bilden die stabilen Eckpfeiler des österreichischen Einzelhandels. Der stationäre Handel konnte sich 2018 ein kleines 
Plus von nominal 1,8 Prozent (real 0,2 Prozent) sichern – eine Kennzahl, die die strukturellen Herausforderungen für den österreichischen Markt für Einzelhandelsimmobilien eindrucksvoll verdeutlicht.  
  
Dennoch präsentiert sich der Markt durchaus zufriedenstellend, wie der soeben erschienene „EHL Geschäftsflächenbericht 2019“ zeigt. Insbesondere Wien konnte seine ausgezeichnete Positionierung im weltweiten Ranking der Spitzenmieten eindrucksvoll behaupten: Mit Mieten von bis zu 400 EUR/m² am Kohlmarkt und an Teilen des Graben liegt die Bundeshauptstadt erneut in den globalen Top 10 und Wien zählt weiterhin zu den meistgenannten Expansionszielen europaweit agierender Einzelhandelsmarken. 
  
Das (schmale) Topsegment profitiert dabei stark vom boomenden Städtetourismus, der in Bestlagen für weiter steigende Umsätze sorgt. In den nachgelagerten Segmenten hingegen ist aktives Standortmanagement wichtiger denn je, um einen Standort konkurrenzfähig zu halten, unterstreicht EHL-Einzelhandelsspezialist Jörg Bitzer: „Stetige Weiterentwicklung ist überlebensnotwendig. In Einkaufszentren ebenso wie in Einkaufsstraßen muss der Erlebniswert des Einkaufs gesteigert werden, um eine attraktive Alternative zum bequemen Onlinekauf zu 
bieten.“ 
  
Der wichtigste Schlüssel dazu sei eine aktive Anpassung des Mietermix an die neuen Konsumgewohnheiten: „Gastronomie und Dienstleistungen bieten im Gegensatz zum klassischen Einzelhandel interessante Wachstumsperspektiven und vor allem sind sie heute stabilere Frequenzbringer als die klassischen Ankermieter der frühen 2000er-Jahre, deren Produkte man heute auch per Mausklick bestellen kann.“ Vor allem die Gastrobranche ist aktuell eine der wichtigsten Nachfragegruppen und kann den Nachfragerückgang des stationären Einzelhandels zum Teil kompensieren: Österreichweit werden derzeit 400 Gastronomiestandorte gesucht.  
  
Die starke Konkurrenz durch den Onlinehandel und die große Bedeutung der von Touristen getätigten Käufe machen für Bitzer auch eine Lockerung der restriktiven Sonntagsöffnungsbestimmungen überfällig: „Das wäre insbesondere für Einkaufsstraßen im Zentrum, die vor nicht allzu langer Zeit noch als Bestlagen galten, wie z. B. die Rotenturmstraße, eine große Chance. Es ist schade, dass nicht nur Tausende österreichische Konsumenten am Sonntag im benachbarten Ausland einkaufen, sondern dass ein sonntäglicher Ausflug ins nahe Bratislava auch zu den Fixpunkten des Wien-Programms zahlreicher internationaler Reiseveranstalter gehört und dem österreichischen Einzelhandel somit wichtige Umsätze entgehen.“